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Deadlines kommen immer früher als erwartet. Dieses Mal war es etwas anders. Schon länger hatte ich nach einer Filmidee für den Videowettbewerb „Mobiler Alltag 2023“ der deutschen UNESCO Kommission gesucht. In diesem Fall war die Deadline natürlich nicht verbindlich: Keine Idee, kein Beitrag, ganz einfach. Schwerpunktmäßig sollte es in den Beiträgen darum gehen, wie Mobilität 2023 nachhaltig gestaltet werden kann. Auf einmal ging dann doch alles ganz schnell und innerhalb einer Woche entstand ein zunächst fast sechs minütiger Clip im Stil einer „scripted documetary“ -so besetzt dieser Begriff auch sein mag.

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Wettbewerb „Mobiler Alltag 2023“ der deutschen UNESCO Kommission. Meinen Beitrag findet ihr unten auf dieser Seite.

Aber zurück zur Ideenfindung: Auf der Konferenz zum Leestandsmelder, die im Oktober in Bonn stattfand -und zu der es auch noch ein Video geben wird- konnte es dann offensichtlicher nicht werden. Maurice, einer der Organisatoren, versorgte mit seinem Lastenrad beinahe die gesamte Konferenz. Damit war für mich klar: Wir brauchen keine großen technologischen Innovationen mehr, sondern können schon jetzt nachhaltig mobil sein. Wir müssen es nur tun. Das haben im Jahr 2013 nur noch nicht so viele Leute gemerkt.

Der Plan war einfach: Ich wollte im Film festhalten, was mit einem Lastenrad alles möglich ist und zeigen, dass Autos zum großen Teil überflüssig sind.

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Maurice belädt das Rad.

Ein paar Tage nach der Konferenz fragte ich Maurice, ob er sich vorstellen könnte quasi als Hauptdarsteller mit seinem Rad in dem Film aufzutreten. Klar, das Rad brauche mehr Aufmerksamkeit, war die Antwort. Die erste Hürde war genommen, eine (sehr) grobe Idee war da und der erste Schritt zur Umsetzung in Planung. Passenderweise fand am darauf folgenden Freitag die Critical Mass statt. Neben ein paar tollen Bildern, habe ich einigen Leuten von der Idee erzählt und unter anderem dank Gesa von Bonn im Wandel sprudelten die Ideen, die in den Monaten zuvor auf sich warten ließen.

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Während Lea sich und andere fragt, warum es 2013 noch Autos gibt.

Eine Idee bestand darin, Reporter_innen aus der Zukunft ins Jahr 2013 zurück reisen zu lassen. Die versuchen herauszufinden warum es noch so viele Autos gibt, obwohl die umweldfreundlichen und zudem günstigeren Alternativen (Rad und ÖPNV) schon längst erfunden und ausgereift waren. Die Idee wurde sofort aufgegriffen und die Suche nach den passenden Reporter_innen begann. Am nächsten Tag fand sich ein kleines Team, das bereit war sich für mich vor die Kamera zu stellen. Dabei wäre es übrigens vermessen das „scripted“ in „scripted documentary“ zu ernst zu nehmen, denn das einzige was es schriftlich gab, waren einige Notizen die man nichtmals mit viel gutem Willen Konzept nennen konnte.

Jedenfalls: Am nächsten Tag sollte alles gedreht werden: Fahrradszenen (mit Werkzeug zur Arbeit und zurück, mit Musikanlage durch die Stadt, jemanden vom Bahnhof abholen und Getränke einkaufen) und die Interviewszenen mit noch zu suchenden Interviewpartnern und Autofahrern, die im Stau stehen. Die ersten Szenen filmten wir mit ziemlicher Akribie, was dazu führte, dass wir nichtmals alle Fahrradszenen an diesem ersten Tag schafften. Es nützte aber nichts, es war nur noch etwas über eine Woche bis zum Teilnahmeschluss.

Also drehten wir am Sonntag die Interviewszenen. Menschen zu finden, die sich interviewen lassen ist sonntagmittags schon einigermaßen anspruchsvoll. Aber die Sache mit dem Stau? Nunja, wir mussten an allen Ecken und Enden improvisieren und unser Bestes tun, irgendwann wollte der Film ja auch noch geschnitten werden. Letztlich haben wir es geschafft zwei Interviews zu machen und zwei weitere teils mehr, teils weniger gestellt zu filmen. Ich würde nicht behaupten, dass wir viel Ausschuss produziert hätten…es musste einfach alles genutzt werden, was da war.

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Am Ende sitzt neben dem entspannten Radfahrer ein ziemlich verspannter Autofahrer.

Letztendlich habe ich dann am Montag Abend die erste Fassung geschnitten, also genau eine Woche nach dem Ende der Leerstandsmelder Konferenz. Eine Szene, die Schlüsselszene, in der die beiden Stränge, Lastenrad und Zukunftsreporter_innen sich tangieren wurde nachgedreht. Dann musste das ganze noch auf die Wettbewerbslänge von 3 Minuten gekürzt werden und nach nicht viel mehr als zwei Wochen, stand die eingereichte Fassung.

Dazu muss ich sagen, dass es einige Faktoren gibt, ohne die das ganze Projekt so spontan nicht möglich gewsen wäre: Erstens liegen fast alle Drehorte in einem Radius von etwa einem Kilometer. Wer die Bonner Altstadt kennt, wird das merken, alle anderen vielleicht auch. Zweitens, und das ist noch viel wichtiger, waren alle Darsteller_innen sofort mit im Boot, also ein Cast ohne Casting sozusagen. Direkt los und die Generalprobe ist ja eh immer am besten. Und wer braucht schon ein Skript? Dafür ein dickes Dankeschön, das ist bestimmt nicht selbstverständlich.

Für mich waren das zwei unglaublich intensive Wochen, in denen ich viel gelernt habe. Was das Entwicklen einer Story angeht, dass Continuity überbewertet wird 😉 und aber letztlich auch, was alles möglich ist auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind. Dazu gehört natürlich auch die Tatsache, dass für den Wettbewerb keine 100% technisch und filmerisch einwandfreien Beiträge verlangt wurden, sondern kreative Ideen im Vordergrund standen.

Übrigens: Ob und was der Beitrag gewinnt wird sich Ende November herausstellen. Für den Publikumspreis hoffe ich jetzt schon auf eure Unterstützung!

Hier gehts zum Beitrag.