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Obwohl ich keine Jahresrückblicke mag, wollte ich dieses Jahr trotzdem einen machen. Und zwar, weil ich mich seit ungefähr einem Jahr ziemlich intensiv dem Filmemachen widme und zeigen wollte, was ich dabei produziert und gelernt habe. Ich habe mich dann aber doch dagegen entschieden. Einerseits kann man das auch in meinem Portfolio nachschauen. Andererseits finde ich es momentan viel spannender sich eine Entwicklung auf dem Kameramarkt etwas genauer anzuschauen. Da gibt es nämlich seit Herbst diesen Jahres eine Kamera, deren Potential sich gerade für Independent Filmemacher erst noch richtig entfalten wird.

Die Blackmagic Pocket Cinema ist die kleine Schwester der Cinema Camera, die Blackmagic bereits 2012 auf den Markt brachte. Ich bin nun wirklich kein Technik-Nerd, jedenfalls nicht mehr als man sein muss, um zu wissen was mit einem kleinen Budget bestmöglichst rauszuholen ist. Aber genau hier setzt Blackmagic an. Für unter 1.000 € kriegt man eine Kamera auf Profi Niveau (und ich meine damit Profi-Profi), die noch dazu einen Dynamikumfang von 13 Blendenstufen hat. Außerdem kommt die Kamera mit einem Micro Four Thirds (MFT) Anschluss daher, sodass viele Leute sich nichtmals neue Objektive kaufen müssen.

Exkurs: Dynamikumfang
Dynamikumfang was is’n das? Sagen wir mal so: Als HD eingeführt wurde, war das eine Revolution, weil man auf einmal Details -sagen wir mal Haare- nicht nur erahnen konnte, sondern tatsächlich sehen konnte. Mehr Pixel = mehr Details. Jedenfalls wenn es gut läuft. Und gut läuft es, wenn die Details von der Kamera überhaupt „gesehen“ werden, d.h. weder zu dunkel noch zu hell sind. Sind sie zu dunkel, saufen sie ab (alles schwarz), sind sie zu hell, werden sie überstrahlt (alles weiß). Der Bereich dazwischen, ist das, was uns interessiert. Der Dynamikumfang gibt die Größe dieses, für die Kamera sichtbaren, Bereichs an. (Wer mehr über die genauen technischen Zusammenhänge wissen möchte, kann hier mal reinschauen).

Damit also dunkle Haare nicht zu einer schwarzen Fläche werden, muss ich die Belichtung an meiner Kamera so einstellen, dass die Haare richtig belichtet werden. Damit aber gleichzeitig die helle Tapete im Hintergrund ihr Muster behält und nicht überstrahlt wird, muss der Dynamikumfang groß genug sein um beide Belichtungssituationen abzubilden. Wenn ich fotografiere, könnte ich in so einem Fall zwei Fotos machen, die ich unterschiedlich belichte. Auf dem einen Foto so, dass die Tapete richtig belichtet wird und und auf dem anderen so, das die Haare richtig belichtet werden. Am Computer kann ich dann die jeweils richtig belichteten Bereiche zusammensetzen (siehe HDR Fotografie).

Übrigens ist der Dynamikumfang von DSLRs und dem menschlichen Auge (ohne die Tricks des Gehirns) mit 5-8 Blendenstufen in etwa gleich groß (mehr dazu hier).

Shane Meadows dreht mit der Blackmagic Pocket Cinema (Foto von eoshd.com)

Shane Meadows dreht mit der Blackmagic Pocket Cinema (eoshd.com)

Die Revolution
Aber was mache ich beim Filmen? Gängige DSLRs und andere Videokameras speichern gar nicht alle Bildinformationen, sondern komprimieren das Signal des Sensors so, dass nur noch 3-4 Blendenstufen übrig bleiben. Diese Limitation liegt also nicht in der Technik des Bildsensors, sondern vor allem in der Weiterverarbeitung des Signals innerhalb der Kamera. Und hier findet die Revolution statt: Die Blackmagic Kameras können von Haus aus in Raw filmen, sodass der komplette mögliche Dynamikumfang im ausgegebenen Bildmaterial landet. Bisher musste man für so eine Kamera soviel ausgeben wie für einen gut ausgestatteten Kleinwagen.

Und warum können das moderne DSLRs noch nicht? Können sie, zumindest wenn man sich ein Canon Modell kauft, auf das man die gehackte Firmware namens Magic Lantern (ML) draufspielt. Die Politik der großen Hersteller besteht darin, nur die Features zu liefern, die gerade nötig sind um wieder die Nase vorn zu haben im Rennen um die kaufwütige Kundschaft. Selbst wenn die Hardware, die ausgeliefert schon mehr hergibt. Magic Lantern schaltet für einige Canon Modelle einige dieser Features frei, allerdings auf eigene Gefahr. Andere Probleme beim Filmen mit DSLRs, wie Moiré und Rolling Shutter, kann auch eine gehackte Firmware nicht lösen. Die Blackmagic Kameras sind speziell auf die Anforderungen von Filmemachern ausgelegt.

Also her damit oder was?
Sicherlich müssen die großen Kamerahersteller sich irgendwann bewegen und nachlegen. Andererseits ist Blackmagic ein relativ kleines Unternehmen, das kaum mit der Produktion der Kameras hinterher kommt. Daher kann es durchaus noch eine Weile dauern, bis der Druck auf Canon, Nikon, Sony, etc groß genug wird, und diese ähnliche Produkte anbieten.

Wer ambitioniert filmen möchte, der macht mit dem Kauf der Pocket Cinema bestimmt nichts falsch. Vor allem dann nicht, wenn schon MFT Objektive vorhanden sind. Allerdings sind noch einige technische Besonderheiten zu beachten, wie der Crop Faktor von 3 und die sehr viel aufwendigere Nachbearbeitung. Die Datenmengen, die beim Filmen in Raw anfallen, sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Andererseits ist man nicht auf Raw beschränkt, sondern kann auch in ProRes aufnehmen. Dies ist ein Industriestandard, der ebenfalls schon bessere Qualität liefert.

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Ausführlicher Test der BMPC von Dave Dugdale
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Kaufempfehlung
Wer bereit ist, sich in professionelle Post-Production einzuarbeiten, dem kann ich nur empfehlen diese Kamera auszuprobieren. Ich verlasse mich dabei auf die durchgehend begeisterte Resonanz im Netz, da ich die Kamera selber noch nicht in den Händen halten konnte. Aber gerade in Kombination mit dem Metabone Adapter scheinen sich noch ganz andere Möglchkeiten zu eröffnen. Das heb ich mir dann aber für den nächsten Blog Post auf 🙂 Hier noch ein denkbares Setup:

Blackmagic Pocket Cinema: 999 €
Nikon G to BMPCC Speed Booster: ca 400€ (momentan nicht lieferbar)
Sigma 18-35mm F1,8 DC HSM Nikon Anschluss ca. 750 €
Schnelle und große SDHC Karten (wichtig;)

Zusammengerechnet kriegt man hier für einen Preis von unter 2.200 € (ohne SD-Karten) eine Hammer Kamera und kann sofort loslegen. Bei Canon bekommt man gerade mal die 5D Mark III ohne Objektiv für diesen Preis. Diese liegt in der Videoleistung weit hinter dem oben genannten Set zurück. Hier noch ein paar Links:

Kurzfilm von Sheane Meadows mit Jake Bugg (gedreht mit der Blackmagic Pocket Cinema und großer Schwester auf vevo.com

Hintergrundinfos zum Kurzfilmdreh auf eoshd.com

Test der Blackmagic Pocket Cinema von Philipp Bloom

Objektivtest des Sigma mit Speed Booster Adapter an der BMPC auf eoshd.com