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Alternative Karnevalspartys haben in Bonn eine lange Tradition. Seit 2004 an Rosenmontag in der Altstadt und ungefähr genauso lange in Beuel an Weiberfastnacht. Erst genannte Party wurde 2015 verboten, letztere in diesem Jahr. Anstelle der Party fand 2015 eine Demo auf dem Frankenbadplatz statt. Als ich gerade mit der Filmerei angefangen hatte, habe ich auch schon ein kleines Video von der Party 2013 gemacht (I warned you 😉 Nach der rheinischen Regel, dass alles was dreimal hintereinander stattfindet eine Tradition ist, reihe ich mich nun in den traditionellen Karneval ein 🙂

Die Passion

Weshalb diese Party und die Filme darüber für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden sind, liegt daran, dass ich selten eine schönere, friedlichere und freundlichere Karnevalsfeier besucht habe, als die Reggaeparty in der Altstadt. Zum Teil ist rundherum in der Altstadt Blaulicht, Flaschen werden zertrümmert und die Leute drängeln sich am Zoch. Immer wenn ich dann den Frankenbadplatz erreicht habe und die Musik losging, war dieser ganze Stress sofort vergessen. Die Leute gehen respektvoll miteinander um und genießen zusammen Bassmusik. Das hört sich etwas pathetisch an, is aber so.

Das Problem

Bonn, wir müssen uns unterhalten. Darüber, wie du mit deinen Kulturschaffenden umgehst, vor allem denjenigen, die kein Geld mit ihrem Schaffen verdienen möchten. Unkommerzielle Angebote machen eine Stadt lebenswert und müssen von der Stadt unterstützt werden. Sonst gehen diese Leute nämlich und die Stadt hungert kulturell aus. Das Verbot der Party 2015 war ein Skandal der darin gipfelte, dass vom Oberbürgermeister behauptet wurde, TeilnehmerInnen der Party hätten ZugteilnehmerInnen mit Flaschen beworfen. Eine Entschuldigung für diese falsche Behauptung gab es nie. Im vergangenen Jahr haben sich die VeranstalterInnen dazu entschieden, keine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, einfach weil es jedes Mal ein Kraftakt ist und sich die Lebensumstände von manchen auch ändern können und dann einfach die Zeit fehlt.

Dieses Jahr gab es dann wieder eine Demo. Die Aussichten eine Genehmigung für eine reine Party zu bekommen waren schlecht. Die Auflagen für die Demo lächerlich: Es gab ein Glasverbot, es mussten wieder teure Dixieklos aufgestellt werden und um 18 Uhr war Schicht im Schacht. Es ist eine absurde Situation wenn nebenan der Zoch poltert, in der ganzen Altstadt Scherben verteilt sind und du als Ordner über den Platz rennst und die Leute bittest, sich einen Plastikbecher zu holen, da die Polizei ein Glasverbot ausgesprochen hat – nur für den Frankenbadplatz. Die Dixieklos waren die einzigen in der gesamten Altstadt.

Brauchtumspflege – zweierlei Maß?

Was ist nun also der Unterschied zwischen dem Zoch, der jedes Jahr vom Festausschuss organisiert wird und der Reggaeparty? Das Zauberwort heißt Brauchtumspflege. Diese gilt für den Zoch aber nicht für die Party. Obwohl beide in unmittelbarer Nähe stattfinden und für viele Leute beides zum traditionellen Karneval gehört. Wie gesagt findet die Party nicht erst zum dritten Mal statt, sondern schon seit 2004. Trotzdem meint Stadt hier Unterschiede zu machen, die letztlich zu einem Verbot der Reggaeparty führen. Die diesjährigen Auflagen und Beschränkungen sind zermürbend und machen einfach keinen Spaß. Die Stadt macht hier Kultur kaputt, die mit viel Liebe, Sorgfalt und Ehrenamt entstanden ist. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen.

Unterstützt die OrganisatorInnen der Party und helft im nächsten Jahr dabei, die Party wieder zu einer Party zu machen. #WeKehr

Mehr Infos findet ihr auf den Seiten des rhizom.

Infos zum Film

Gefilmt habe ich mit einer Panasonic G81. Vieles mit dem Pana 12-60 und Dual IS, was eine super Sache ist. Als es dunkler wurde, dann mit dem Sigma 18-35 und Speedbooster. Vom Stil her war das Wetter und (meine) Stimmung einfach etwas grau, weshalb ich auch im Color Grading in die Richtung gegangen bin. Wegen dem frühen Ende der Demo hat es dieses Mal sogar mit Same-Day-Delivery geklappt, ca sechs Stunden nach dem Ende der Demo war das Video online. Manchmal will es einfach raus…